Heiß genug war es in den letzten Wochen. Und heute beginnen auch noch die Hundstage, an denen man eigentlich die heißeste Zeit des Jahres erwartet.
Aber was hat das eigentlich mit Hunden zu tun? Genau genommen geht es nur um einen Hund, um den Großen Hund, ein Sternbild rund um seinen Hauptstern Sirius, der zur Zeit der alten Römer nach dem 23. Juli am Himmel auftauchte. Bis zur Sichtbarkeit des ganzen Sternbildes vergingen dann rund 30 Tage – die dies caniculares, deutsch: Hundstage.
Zwar hat sich das alles seit Caesar durch die Kreiselbewegung der Erdachse um rund einen Monat verschoben, aber es blieb bei der Sprachregelung. Gegen Ende Juli setzt die Hundehitze ein.
Hunde können sich eh nicht wehren. Kein Tier taucht in so vielen Redensarten auf wie der Hund.
Aber von wegen treuester Freund des Menschen! Zumindest sprachlich kommen unsere Wauwaus, Fiffis, Struppis, Tölen etc. eher negativ weg. Da geht man vor die Hunde oder kommt auf den Hund, Hunde liegen irgendwo begraben oder müssen zum Jagen getragen werden, sie bellen mit dem Schwanz, scheißen ins Feuerzeug oder aber – der Gipfel des Absurden – sie werden in der Pfanne verrückt.
Zumindest diese Redensart sei kurz erklärt: Bei dem Ausdruck für grenzenloses Erstaunen handelt es sich wahrscheinlich um die Anspielung auf einen Till-Eulenspiegel-Schwank. Da fasst der notorische Schalk die Aufforderung eines Braumeisters, Hopfen zu sieden, bewusst falsch auf und wirft dessen Hund namens Hopf in die Siedepfanne...
Aber damit nicht genug: Es gibt den bunten, dicken, krummen, feigen Hund. Und es gibt den armen Hund. Da schwingt allerdings auch Mitleid mit. So sind etwa alle jene Leute, die jetzt den ganzen August durch schaffen müssen, arme Hunde.
Dann aber ist im Umkehrschluss der Schreiber dieser Zeilen ein reicher Hund. Wie jedes Jahr wird – wenn schon unsere Schulen schließen – auch diese Kolumne für einige Wochen eingestellt. Jetzt darf nur kein Sauwetter sein.
Freitag, 16. Juli 2010
Der Albtraum geht weiter
"Nach 84 Tagen Albtraum ein Lichtblick im Kampf gegen die Ölpest".
So stand es vorgestern auf der Seite 1 unserer Zeitung. Und prompt kam ein ziemlich unwirscher Anruf: "Was ist nun eigentlich richtig, Alptraum oder Albtraum?"
Die Antwort lautet: Beides, aber die SZ schreibt Albtraum.
Zur Vorgeschichte: Bis 1996 gab es nur die Schreibweise Alptraum. Albtraum galt als falsch. Dann kam die Rechtschreibreform, und da wurde das Paar Albtraum/Alptraum unter die so genannten Variantenschreibungen eingereiht, bei denen man die Wahl hat. Diese Regelung blieb auch von der Reform der Reform im Jahr 2006 unangetastet.
Die deutschen Presseagenturen plädierten zunächst für die althergebrachte Form Alptraum. Aber mittlerweile geht die Tendenz wieder in Richtung Albtraum.
Auch der Duden kommt hier ins Spiel: Da er so schnell wie möglich wieder die Lufthoheit über den Schreibtischen der Nation erlangen will, spricht er seit der Ausgabe von 2006 bei Varianten Empfehlungen aus, und zwar unterlegt mit einem Balken in der Hausfarbe Gelb.
Der Hintergedanke dabei: Wenn sich nur genug an solche Vorgaben halten, wird man die Varianten irgendwann wieder vergessen können. In unserem Fall hat er sich für Albtraum entschieden.
Diese Duden-Empfehlungen sind zwar oft von Otto Normalschreiber nicht nachvollziehbar, aber in unserem besonderen Fall kann man damit leben. Denn für Albtraum spricht die Herkunftsgeschichte des Wortes. Mit den Alpen, an die man natürlich sofort denkt, hat es nichts zu tun.
Der Bestandteil Alb- (die Nebenform Alp- gab es allerdings auch) ist ein altes germanisches Wort, das wiederum verwandt ist mit Elfe und zunächst einmal unterirdischer Geist bedeutet. Weil man sich solche Fabelwesen aber oft als unheimliche Dämonen vorstellte, wurde den Alben bald allerlei Schlimmes angedichtet – unter anderem dass sie sich den Menschen nachts auf die Brust setzen, ihnen den gesunden Schlaf rauben, sie schlecht träumen und dann wie gerädert aufwachen lassen.
Für das b spricht übrigens auch ein berühmter Vertreter der Alben: Als Zwergenkönig Alberich taucht er in der Nibelungensage auf, in der ihm Siegfried die Tarnkappe entwendet und so den Nibelungenschatz an sich bringen kann. Alberich wurde deshalb im Zweiten Weltkrieg zur Geheimbezeichnung für die akustische Tarnung von deutschen U-Booten mittels einer gelochten Gummifolie. U 480 war zunächst ein voller Erfolg. Aber auch ihm schlug letztlich die Stunde.
Apropos Lichtblick im Kampf gegen die Ölpest: Nichts war es bislang. Der Albtraum geht weiter.
So stand es vorgestern auf der Seite 1 unserer Zeitung. Und prompt kam ein ziemlich unwirscher Anruf: "Was ist nun eigentlich richtig, Alptraum oder Albtraum?"
Die Antwort lautet: Beides, aber die SZ schreibt Albtraum.
Zur Vorgeschichte: Bis 1996 gab es nur die Schreibweise Alptraum. Albtraum galt als falsch. Dann kam die Rechtschreibreform, und da wurde das Paar Albtraum/Alptraum unter die so genannten Variantenschreibungen eingereiht, bei denen man die Wahl hat. Diese Regelung blieb auch von der Reform der Reform im Jahr 2006 unangetastet.
Die deutschen Presseagenturen plädierten zunächst für die althergebrachte Form Alptraum. Aber mittlerweile geht die Tendenz wieder in Richtung Albtraum.
Auch der Duden kommt hier ins Spiel: Da er so schnell wie möglich wieder die Lufthoheit über den Schreibtischen der Nation erlangen will, spricht er seit der Ausgabe von 2006 bei Varianten Empfehlungen aus, und zwar unterlegt mit einem Balken in der Hausfarbe Gelb.
Der Hintergedanke dabei: Wenn sich nur genug an solche Vorgaben halten, wird man die Varianten irgendwann wieder vergessen können. In unserem Fall hat er sich für Albtraum entschieden.
Diese Duden-Empfehlungen sind zwar oft von Otto Normalschreiber nicht nachvollziehbar, aber in unserem besonderen Fall kann man damit leben. Denn für Albtraum spricht die Herkunftsgeschichte des Wortes. Mit den Alpen, an die man natürlich sofort denkt, hat es nichts zu tun.
Der Bestandteil Alb- (die Nebenform Alp- gab es allerdings auch) ist ein altes germanisches Wort, das wiederum verwandt ist mit Elfe und zunächst einmal unterirdischer Geist bedeutet. Weil man sich solche Fabelwesen aber oft als unheimliche Dämonen vorstellte, wurde den Alben bald allerlei Schlimmes angedichtet – unter anderem dass sie sich den Menschen nachts auf die Brust setzen, ihnen den gesunden Schlaf rauben, sie schlecht träumen und dann wie gerädert aufwachen lassen.
Für das b spricht übrigens auch ein berühmter Vertreter der Alben: Als Zwergenkönig Alberich taucht er in der Nibelungensage auf, in der ihm Siegfried die Tarnkappe entwendet und so den Nibelungenschatz an sich bringen kann. Alberich wurde deshalb im Zweiten Weltkrieg zur Geheimbezeichnung für die akustische Tarnung von deutschen U-Booten mittels einer gelochten Gummifolie. U 480 war zunächst ein voller Erfolg. Aber auch ihm schlug letztlich die Stunde.
Apropos Lichtblick im Kampf gegen die Ölpest: Nichts war es bislang. Der Albtraum geht weiter.
Freitag, 9. Juli 2010
Warum wir heute Moffen sind
Es hat nicht sollen sein. Nichts wird es mit einem Finale Holland-Deutschland. Aber seien wir ein Stück weit auch froh. Schon war wieder in manchen Medien von der Schlacht zwischen den Moffen (holländisches Schimpfwort für Deutsche) und den Käsköppen (deutsches Schimpfwort für Holländer) die Rede, und dieser verbale Ersatzkrieg mit Hilfe von Ethnophaulismen – so heißt das schöne Fremdwort für abwertende Bezeichnungen von Nationalitäten (griechisch ethnos = Volk, phaulis = wertlos, böse) – hätte sicher noch Fahrt aufgenommen bis Sonntag. Darauf wir verzichten wir nun liebend gerne.
Schauen wir uns einige Kollektiv-Beschimpfungen für die Deutschen dennoch etwas näher an – und zwar unter eher sprachgeschichtlichem Blickwinkel, weil das sehr viel über ihre Tendenz zu unsinnig-boshafter Verallgemeinerung aussagt.
Das schon über dreihundert Jahre alte Mof ist das gleiche Wort wie unser Muffel, bedeutet also muffiger, griesgrämiger Mensch. So wurden wir damals wohl generell empfunden, wobei sicherlich nicht alle Deutsche Sauertöpfe waren.
Ähnlich bei den Franzosen: Sie nannten uns – vor allem seit dem Krieg von 1870/71 – les boches, was wohl auf tète de boche (Holzkugel) zurückgeht und mit Dickkopf oder Holzkopf zu übersetzen ist. Glaubt man übrigens jüngsten Untersuchungen, so wird es immer seltener gebraucht und findet sich im geschriebenen Französisch gar nicht mehr.
Das kann man von den Krauts, wie wir wegen unserer Vorliebe für Sauerkraut in England genannt werden, nicht gerade behaupten – ein Blick in die britische Presse vor und nach der deutschen 4:1-Klatsche von Bloemfontain für die Three Lions sprach Bände.
Auch der Piefke, wie uns die Österreicher nennen und dabei den preußisch schnarrenden Herrenmenschen im Auge haben, dürfte nicht so schnell verschwinden. Wobei dieser Name Piefke pikanterweise gar kein deutscher Familienname ist, sondern – abgeleitet von piwo= Bier – ursprünglich aus Polen stammt.
Von den Polen wiederum werden wir alle per Rundumschlag abwertend szwab genannt. Damit senden unsere Nachbarn im Osten auf der gleichen Wellenlänge wie jene im Süden, denn auch die Schweizer nennen uns Deutsche ja spätestens seit dem Schwabenkrieg von 1499 zwischen den Eidgenossen und dem Schwäbischen Bund allesamt Schwobe – und in Zeiten des Streits um das Bankgeheimnis auch schon mal Sauschwobe, was insbesondere den Badenern mit ihrer Schwaben-Allergie überhaupt nicht passt. Aber die gehen ja schon auf die Barrikaden, wenn man sie Badenser nennt…
Man sieht: Empfindlichkeiten allerorten. Wir Deutsche sind übrigens beileibe keine Waisenknaben, wenn es um Verunglimpfungen anderer Völker geht. Wir haben den Ösi erfunden und nach dem Fund der Steinzeitleiche vom Hauslabjoch auf Ötzi erweitert – mit hörbar geringschätzigem Unterton.
Noch älter sind die Itaker, wie zunächst italienische Soldaten im 1. Weltkrieg in Anlehnung an die Polaken genannt wurden, dann aber vor allem die Gastarbeiter aus dem Süden nach 1945. Wir kennen den Spaghettifresser und den Katzelmacher, den Kameltreiber und den Kümmeltürken. Und Wörter wie Bimbos, Kaffern und Kanaken für dunkelhäutige oder orientalisch aussehende Ausländer sind uns auch nicht fremd – trotz oder womöglich gerade wegen ihres eindeutigen rassistischen Untertons.
Zurück zum Anfang: Wie dümmlich diskriminierende Verallgemeinerungen oft sind, lässt sich an einem kleinen Beispiel aus unserem Landstrich belegen: Nimmt man mal die Käseproduktion im Allgäuer Käsedreieck Isny-Wangen-Leutkirch, so gibt es auch hier genug Käsköppe.
Und apropos Moffen. Ein bisschen muffig sind wir heute in der Tat. Man verliert nicht jeden Tag ein Halbfinale.
Schauen wir uns einige Kollektiv-Beschimpfungen für die Deutschen dennoch etwas näher an – und zwar unter eher sprachgeschichtlichem Blickwinkel, weil das sehr viel über ihre Tendenz zu unsinnig-boshafter Verallgemeinerung aussagt.
Das schon über dreihundert Jahre alte Mof ist das gleiche Wort wie unser Muffel, bedeutet also muffiger, griesgrämiger Mensch. So wurden wir damals wohl generell empfunden, wobei sicherlich nicht alle Deutsche Sauertöpfe waren.
Ähnlich bei den Franzosen: Sie nannten uns – vor allem seit dem Krieg von 1870/71 – les boches, was wohl auf tète de boche (Holzkugel) zurückgeht und mit Dickkopf oder Holzkopf zu übersetzen ist. Glaubt man übrigens jüngsten Untersuchungen, so wird es immer seltener gebraucht und findet sich im geschriebenen Französisch gar nicht mehr.
Das kann man von den Krauts, wie wir wegen unserer Vorliebe für Sauerkraut in England genannt werden, nicht gerade behaupten – ein Blick in die britische Presse vor und nach der deutschen 4:1-Klatsche von Bloemfontain für die Three Lions sprach Bände.
Auch der Piefke, wie uns die Österreicher nennen und dabei den preußisch schnarrenden Herrenmenschen im Auge haben, dürfte nicht so schnell verschwinden. Wobei dieser Name Piefke pikanterweise gar kein deutscher Familienname ist, sondern – abgeleitet von piwo= Bier – ursprünglich aus Polen stammt.
Von den Polen wiederum werden wir alle per Rundumschlag abwertend szwab genannt. Damit senden unsere Nachbarn im Osten auf der gleichen Wellenlänge wie jene im Süden, denn auch die Schweizer nennen uns Deutsche ja spätestens seit dem Schwabenkrieg von 1499 zwischen den Eidgenossen und dem Schwäbischen Bund allesamt Schwobe – und in Zeiten des Streits um das Bankgeheimnis auch schon mal Sauschwobe, was insbesondere den Badenern mit ihrer Schwaben-Allergie überhaupt nicht passt. Aber die gehen ja schon auf die Barrikaden, wenn man sie Badenser nennt…
Man sieht: Empfindlichkeiten allerorten. Wir Deutsche sind übrigens beileibe keine Waisenknaben, wenn es um Verunglimpfungen anderer Völker geht. Wir haben den Ösi erfunden und nach dem Fund der Steinzeitleiche vom Hauslabjoch auf Ötzi erweitert – mit hörbar geringschätzigem Unterton.
Noch älter sind die Itaker, wie zunächst italienische Soldaten im 1. Weltkrieg in Anlehnung an die Polaken genannt wurden, dann aber vor allem die Gastarbeiter aus dem Süden nach 1945. Wir kennen den Spaghettifresser und den Katzelmacher, den Kameltreiber und den Kümmeltürken. Und Wörter wie Bimbos, Kaffern und Kanaken für dunkelhäutige oder orientalisch aussehende Ausländer sind uns auch nicht fremd – trotz oder womöglich gerade wegen ihres eindeutigen rassistischen Untertons.
Zurück zum Anfang: Wie dümmlich diskriminierende Verallgemeinerungen oft sind, lässt sich an einem kleinen Beispiel aus unserem Landstrich belegen: Nimmt man mal die Käseproduktion im Allgäuer Käsedreieck Isny-Wangen-Leutkirch, so gibt es auch hier genug Käsköppe.
Und apropos Moffen. Ein bisschen muffig sind wir heute in der Tat. Man verliert nicht jeden Tag ein Halbfinale.
Freitag, 2. Juli 2010
Alle Mannen gegen die Gauchos
Vor wenigen Tagen haben wir an dieser Stelle über die große Alamannen-Ausstellung in Ellwangen berichtet. Dazu gab es nun Reaktionen von befremdeten Lesern. Warum wir von Alamannen sprächen und nicht von Alemannen, wurde gefragt und auf den Duden verwiesen. Dort suche man die Form Alamannen vergebens. Das stimmt. Während größere Nachschlagewerke die Alamannen durchaus erwähnen, aber zur Erklärung auf den Begriff Alemannen verweisen, hat sich der Duden gleich für die gebräuchlichere Form entschieden: Alemanne = Angehöriger eines germanischen Volksstammes.
Der Hintergrund ist schillernd, wobei wir hier nicht bis ins letzte Detail gehen können. In der Tat bezeichnete der römische Historiker Cassius Dio jene feindliche Truppen, die Kaiser Caracalla um 213 im heutigen Südwesten das Leben schwer machten, als alamanni, und für ihren späteren Einflussbereich bürgerte sich der Begriff Alamannia ein.
Aber bald trat auch die Bezeichnung Alemannen hinzu. An Bedeutung verlor der Begriff ohnehin, als sie nach ihren Niederlagen gegen die merowingischen Franken 496 bei Zülpich und erneut gegen deren karolingische Erben 746 beim berüchtigten Blutbad von Cannstatt in anderen historischen Konstellationen aufgingen. Namensgeber für das Herzogtum, das im 10. Jahrhundert auf dem einstigen Territorium der Alamannia entstand, wurden die Schwaben, einst von den Römern suebi genannt und ursprünglich wohl eine Gruppierung innerhalb der alamanni des Cassius Dio. Und das lässt sich – so hat man es mit einem Anflug von volksetymologischer Vereinfachung immer gern getan – ja auch als die Übertragung eines uralten germanischen Begriffes für alle Mannen deuten.
Zurück zur Schreibweise: Archäologen und Museumsleute – vor allem im Süden – reden mit ihrem gezielten Blick auf die Frühgeschichte heute eher von Alamannen, bundesdeutsche, aber auch schweizerische Historiker bevorzugen dagegen den Begriff Alemannen. In der Sprachwissenschaft beschäftigt man sich seit rund zweihundert Jahren ebenfalls mit dem Alemannischen und meint damit gemeinhin den Sprachraum vom Elsass über Südbaden und die Nordschweiz bis nach Vorarlberg. Und auch in der Volkskunde geht es um alemannisches Brauchtum, zum Beispiel um die alemannische Fasnet.
Übrigens haben die Alemannen auch für viele Bezeichnungen der Deutschen im Ausland gesorgt – bis über Europa hinaus. Almanlar nennen uns die Türken, Elman und Alman finden sich im Arabischen und Persischen. Vor allem aber in romanischen Sprachen hat der alte Stamm seine Spuren hinterlassen. Allemands sind wir für die Franzosen, alemaes für die Portugiesen, und alemanes für die Spanier.
Morgen Mittag geht es also für die Argentinier gegen die alemanes. Und da wollen wir unsererseits doch hoffen, dass gegen die Gauchos alle Mannen fit sind und dann ebenso furchteinflößend auftreten wie zu Caracallas Zeiten.
Der Hintergrund ist schillernd, wobei wir hier nicht bis ins letzte Detail gehen können. In der Tat bezeichnete der römische Historiker Cassius Dio jene feindliche Truppen, die Kaiser Caracalla um 213 im heutigen Südwesten das Leben schwer machten, als alamanni, und für ihren späteren Einflussbereich bürgerte sich der Begriff Alamannia ein.
Aber bald trat auch die Bezeichnung Alemannen hinzu. An Bedeutung verlor der Begriff ohnehin, als sie nach ihren Niederlagen gegen die merowingischen Franken 496 bei Zülpich und erneut gegen deren karolingische Erben 746 beim berüchtigten Blutbad von Cannstatt in anderen historischen Konstellationen aufgingen. Namensgeber für das Herzogtum, das im 10. Jahrhundert auf dem einstigen Territorium der Alamannia entstand, wurden die Schwaben, einst von den Römern suebi genannt und ursprünglich wohl eine Gruppierung innerhalb der alamanni des Cassius Dio. Und das lässt sich – so hat man es mit einem Anflug von volksetymologischer Vereinfachung immer gern getan – ja auch als die Übertragung eines uralten germanischen Begriffes für alle Mannen deuten.
Zurück zur Schreibweise: Archäologen und Museumsleute – vor allem im Süden – reden mit ihrem gezielten Blick auf die Frühgeschichte heute eher von Alamannen, bundesdeutsche, aber auch schweizerische Historiker bevorzugen dagegen den Begriff Alemannen. In der Sprachwissenschaft beschäftigt man sich seit rund zweihundert Jahren ebenfalls mit dem Alemannischen und meint damit gemeinhin den Sprachraum vom Elsass über Südbaden und die Nordschweiz bis nach Vorarlberg. Und auch in der Volkskunde geht es um alemannisches Brauchtum, zum Beispiel um die alemannische Fasnet.
Übrigens haben die Alemannen auch für viele Bezeichnungen der Deutschen im Ausland gesorgt – bis über Europa hinaus. Almanlar nennen uns die Türken, Elman und Alman finden sich im Arabischen und Persischen. Vor allem aber in romanischen Sprachen hat der alte Stamm seine Spuren hinterlassen. Allemands sind wir für die Franzosen, alemaes für die Portugiesen, und alemanes für die Spanier.
Morgen Mittag geht es also für die Argentinier gegen die alemanes. Und da wollen wir unsererseits doch hoffen, dass gegen die Gauchos alle Mannen fit sind und dann ebenso furchteinflößend auftreten wie zu Caracallas Zeiten.
Freitag, 25. Juni 2010
Die Langobarden und die Mäulesmühle
Frage einer Leserin: Was versteht man eigentlich unter einem Schultes?
Die einfache Antwort lautet: Schultes ist die schwäbische Variante von Schultheiß, einem alten Wort, das bis in die Zeiten der Völkerwanderung zurückreicht. Sculdhais nannten die ostgermanischen Langobarden im 6./7. Jahrhundert den Vorsteher eines Gemeinwesens, der die Schuld heischte, der also um es in modernerem Deutsch zu sagen für die Herrschaft die Abgaben einforderte.
Schon im Mittelalter wurde diese Bezeichnung auf den obersten Vertreter einer Ortschaft übertragen, um dann später auch zum Synonym für Bürgermeister zu werden, allerdings eher von Dörfern oder kleineren Städten.
Der Schultheiß hat übrigens auch kräftig auf unsere deutschen Familiennamen abgefärbt: Ob sie heute nun Schultheis, Schult, Schulte, Schulten, Schultes, Schulz, Schulze oder Schulten heißen, Scholz, Scholze oder Scholtes, Heiss oder Theiß sie alle dürften irgendjemand unter ihren Vorfahren gehabt haben, der einmal in seiner Gemeinde den Ton angab.
Im Schwabenland hat sich der Begriff des Schultheißen übrigens besonders lange gehalten. So wurden in Württemberg die Amtsbezeichnungen Schultheiß bzw. Stadtschultheiß für den Ortsvorsteher erst 1930 durch Bürgermeister und Oberbürgermeister ersetzt, und wohl deswegen spricht man hier noch ganz selbstverständlich vom Schultes nicht nur in der Mäulesmühle mit ihrem quadratschädligen Bürgermeister, der meistens von seinem knitzen Amtsboten Hannes ausgeschmiert wird, sondern flächendeckend.
Da wir allerdings in einem Bindestrich-Land leben, soll kurz noch der badische Kollege des württembergischen Schultes zu Wort kommen. Am Oberrhein und im Schwarzwald spricht man vom Vogt, meint aber genau dasselbe.
In diesem Jahr wird groß der 250. Geburtstag von Johann Peter Hebel gefeiert. Deswegen seien zum Schluss ein paar alemannische Verse des Dichtertheologen aus dem Markgräflerland gestattet:
Freuen wir uns auf Sonntag!
Die einfache Antwort lautet: Schultes ist die schwäbische Variante von Schultheiß, einem alten Wort, das bis in die Zeiten der Völkerwanderung zurückreicht. Sculdhais nannten die ostgermanischen Langobarden im 6./7. Jahrhundert den Vorsteher eines Gemeinwesens, der die Schuld heischte, der also um es in modernerem Deutsch zu sagen für die Herrschaft die Abgaben einforderte.
Schon im Mittelalter wurde diese Bezeichnung auf den obersten Vertreter einer Ortschaft übertragen, um dann später auch zum Synonym für Bürgermeister zu werden, allerdings eher von Dörfern oder kleineren Städten.
Der Schultheiß hat übrigens auch kräftig auf unsere deutschen Familiennamen abgefärbt: Ob sie heute nun Schultheis, Schult, Schulte, Schulten, Schultes, Schulz, Schulze oder Schulten heißen, Scholz, Scholze oder Scholtes, Heiss oder Theiß sie alle dürften irgendjemand unter ihren Vorfahren gehabt haben, der einmal in seiner Gemeinde den Ton angab.
Im Schwabenland hat sich der Begriff des Schultheißen übrigens besonders lange gehalten. So wurden in Württemberg die Amtsbezeichnungen Schultheiß bzw. Stadtschultheiß für den Ortsvorsteher erst 1930 durch Bürgermeister und Oberbürgermeister ersetzt, und wohl deswegen spricht man hier noch ganz selbstverständlich vom Schultes nicht nur in der Mäulesmühle mit ihrem quadratschädligen Bürgermeister, der meistens von seinem knitzen Amtsboten Hannes ausgeschmiert wird, sondern flächendeckend.
Da wir allerdings in einem Bindestrich-Land leben, soll kurz noch der badische Kollege des württembergischen Schultes zu Wort kommen. Am Oberrhein und im Schwarzwald spricht man vom Vogt, meint aber genau dasselbe.
In diesem Jahr wird groß der 250. Geburtstag von Johann Peter Hebel gefeiert. Deswegen seien zum Schluss ein paar alemannische Verse des Dichtertheologen aus dem Markgräflerland gestattet:
Ne Trunk in Ehre,
wer will’s verwehre?
Trinkt’s Blüemli nit si Morgethau,
trinkt nit der Vogt si Schöppli au?
Und wer am Werchtig schafft, dem bringt der Rebesaft
am Sunntig neui Chraft.
Freuen wir uns auf Sonntag!
Freitag, 18. Juni 2010
Schlagworte für den Sprachmüllhaufen
War da was? Da war was, und man sollte ruhig darüber sprechen. Wobei die Betonung auf "ruhig" liegt.
In der Halbzeitpause des denkwürdigen WM-Auftakts der deutschen Mannschaft rutschte der wie immer betont smarten Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein eine problematische Formulierung heraus. Für den über Monate hinweg von einer Ladehemmung geplagten Miroslaw Klose müsse sein Tor zum 2:0 ein "innerer Reichsparteitag" gewesen sein, plapperte sie drauflos.
Schon wenige Minuten später kochte im Internet die kollektive Entrüstung über diese "nicht hinnehmbare Entgleisung" hoch. Dann aber bedauerte das ZDF den Fauxpas, die Moderatorin entschuldigte sich, und auch der Zentralrat der Juden wollte nicht nachhaken.
Anders als im Fall Köhler, da die Aufregung über das Afghanistan-Zitat des Bundespräsidenten ebenfalls im Internet ihren Ursprung genommen und nach dem gnadenlosen Einstieg der deutschen Top-Medien bis zu seinem Rücktritt geführt hatte, kehrte bald wieder Friede ein.
Und das war gut so.
Fernseh- und Funkmoderatoren haben ein Problem: Ein falsches Wort – und es ist in der Welt, durch nichts mehr zurückzuholen: Wenn dann – wie am Sonntagabend – 27,91 Millionen Zuschauer vor dem Fernseher sitzen, steht jemand schnell am Pranger der Nation. Daran sollte denken, wer einen solchen Versprecher flugs zur Staatsaffäre hochstilisieren will.
Dennoch ist der Lapsus symptomatisch. Die Redewendung vom "inneren Reichsparteitag" geht klar auf die Nazi-Zeit zurück. Die Nürnberger Reichsparteitage der NSDAP waren gigantische Propaganda-Veranstaltungen, deren Faszination fehlgeleitete Massen nur zu leicht erlagen. So entstand schon damals der Begriff des "inneren Reichsparteitags" als Synonym für ein unterschwellig empfundenes Triumphgefühl. Dass er sich über das Jahr 1945 hinüber gerettet hat, beweist die Wirkmächtigkeit solcher Schlagworte wider alle bessere Erkenntnis. (Und bei Klose übrigens auch bar jeden Sinns – er ist gebürtiger Pole.)
Ein anderer Fall: Das Wort "Endlösung" hat nie die volle Ächtung erfahren, die seit dem Wissen um den Völkermord in der Folge der Wannseekonferenz von 1942 eigentlich hätte selbstverständlich sein müssen. Und noch schlimmer: Die Redewendung "bis zur Vergasung" – ursprünglich einmal auf den rein physikalischen Vorgang gemünzt, dann aber durch den Holocaust mit einem neuen fürchterlichen Inhalt aufgeladen – ist ebenfalls nie endgültig auf dem Sprachmüllhaufen der Geschichte gelandet.
Vielleicht nimmt mit wachsender zeitlicher Distanz die Sensibilität gegenüber solchen Unsäglichkeiten noch ab. Dann sind wir alle gefragt. Dann müssen wir die Alarmglocken läuten hören. Und dann kann auch keiner mehr solche Begriffe in seinen Sprachschatz aufnehmen, der allein schon vom Geburtsjahrgang her – Katrin Müller-Hohenstein wurde 1965 geboren – mit diesem unseligen Erbe nichts mehr zu tun hat.
In der Halbzeitpause des denkwürdigen WM-Auftakts der deutschen Mannschaft rutschte der wie immer betont smarten Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein eine problematische Formulierung heraus. Für den über Monate hinweg von einer Ladehemmung geplagten Miroslaw Klose müsse sein Tor zum 2:0 ein "innerer Reichsparteitag" gewesen sein, plapperte sie drauflos.
Schon wenige Minuten später kochte im Internet die kollektive Entrüstung über diese "nicht hinnehmbare Entgleisung" hoch. Dann aber bedauerte das ZDF den Fauxpas, die Moderatorin entschuldigte sich, und auch der Zentralrat der Juden wollte nicht nachhaken.
Anders als im Fall Köhler, da die Aufregung über das Afghanistan-Zitat des Bundespräsidenten ebenfalls im Internet ihren Ursprung genommen und nach dem gnadenlosen Einstieg der deutschen Top-Medien bis zu seinem Rücktritt geführt hatte, kehrte bald wieder Friede ein.
Und das war gut so.
Fernseh- und Funkmoderatoren haben ein Problem: Ein falsches Wort – und es ist in der Welt, durch nichts mehr zurückzuholen: Wenn dann – wie am Sonntagabend – 27,91 Millionen Zuschauer vor dem Fernseher sitzen, steht jemand schnell am Pranger der Nation. Daran sollte denken, wer einen solchen Versprecher flugs zur Staatsaffäre hochstilisieren will.
Dennoch ist der Lapsus symptomatisch. Die Redewendung vom "inneren Reichsparteitag" geht klar auf die Nazi-Zeit zurück. Die Nürnberger Reichsparteitage der NSDAP waren gigantische Propaganda-Veranstaltungen, deren Faszination fehlgeleitete Massen nur zu leicht erlagen. So entstand schon damals der Begriff des "inneren Reichsparteitags" als Synonym für ein unterschwellig empfundenes Triumphgefühl. Dass er sich über das Jahr 1945 hinüber gerettet hat, beweist die Wirkmächtigkeit solcher Schlagworte wider alle bessere Erkenntnis. (Und bei Klose übrigens auch bar jeden Sinns – er ist gebürtiger Pole.)
Ein anderer Fall: Das Wort "Endlösung" hat nie die volle Ächtung erfahren, die seit dem Wissen um den Völkermord in der Folge der Wannseekonferenz von 1942 eigentlich hätte selbstverständlich sein müssen. Und noch schlimmer: Die Redewendung "bis zur Vergasung" – ursprünglich einmal auf den rein physikalischen Vorgang gemünzt, dann aber durch den Holocaust mit einem neuen fürchterlichen Inhalt aufgeladen – ist ebenfalls nie endgültig auf dem Sprachmüllhaufen der Geschichte gelandet.
Vielleicht nimmt mit wachsender zeitlicher Distanz die Sensibilität gegenüber solchen Unsäglichkeiten noch ab. Dann sind wir alle gefragt. Dann müssen wir die Alarmglocken läuten hören. Und dann kann auch keiner mehr solche Begriffe in seinen Sprachschatz aufnehmen, der allein schon vom Geburtsjahrgang her – Katrin Müller-Hohenstein wurde 1965 geboren – mit diesem unseligen Erbe nichts mehr zu tun hat.
Freitag, 11. Juni 2010
Die Kanzlerin und der Katheder
"Das hat Angela Merkel nun davon, dass sie einen Kandidaten einfach vom Katheter herunter bestimmte." So war dieser Tage in einer Zeitung – nicht der unsrigen – zum Fall Wulff zu lesen, und da wunderte man sich dann doch, was dieser Begriff aus Bereichen wie der Kardiologie oder der Urologie mit der Bundespräsidentenwahl zu tun haben sollte. Gemeint war natürlich der (oder das ) Katheder , also das Pult des Lehrers oder Hochschullehrers, geschrieben mit d – ein Fehler, der übrigens recht häufig gemacht wird. Und auch anders herum kennen wir diesen Lapsus: Vom Einsatz eines Katheders ist sehr oft die Rede, wenn es in Wirklichkeit um Herz oder Blase geht und da ein t stehen müsste.
Im Gegensatz zu dem ähnlich gelagerten Fall Standard/Standarte , den wir hier unlängst abgehandelt haben, stammen die beiden Wörter nicht aus der gleichen Wurzel.
Zunächst zum Katheter (übrigens nur der ): "Im rechtwinkligen Dreieck ist die Fläche des Quadrats über der Hypotenuse gleich der Summe der Flächen der Quadrate über den beiden Katheten." So soll es Pythagoras vor rund 2500 Jahren formuliert haben, und so mussten wir es in der Schule pauken. Kathete ist wörtlich die herabgelassene Linie, also die Senkrechte, und das wurde auf Sonden in der Medizin übertragen, die man zu verschiedensten Zwecken in das Körperinnere einführt.
Lateinisch cathedra , seinerseits auf dem griechischen Wort kathedra beruhend, bedeutet Stuhl, Sitz, Sessel und im übertragenen Sinn geistliches Lehramt . Auch die Kathedrale – die (ecclesia) cathedralis , also die zum Bischofssitz gehörende Kirche – hat ihren Ursprung in diesem Umfeld. Und wenn etwas ex cathedra , vom (päpstlichen) Stuhl herunter, verkündet wird, so hat es den Anspruch der Unfehlbarkeit und ist über jeden Zweifel erhaben.
Von Unfehlbarkeit kann die arme Kanzlerin zurzeit nur träumen.
Im Gegensatz zu dem ähnlich gelagerten Fall Standard/Standarte , den wir hier unlängst abgehandelt haben, stammen die beiden Wörter nicht aus der gleichen Wurzel.
Zunächst zum Katheter (übrigens nur der ): "Im rechtwinkligen Dreieck ist die Fläche des Quadrats über der Hypotenuse gleich der Summe der Flächen der Quadrate über den beiden Katheten." So soll es Pythagoras vor rund 2500 Jahren formuliert haben, und so mussten wir es in der Schule pauken. Kathete ist wörtlich die herabgelassene Linie, also die Senkrechte, und das wurde auf Sonden in der Medizin übertragen, die man zu verschiedensten Zwecken in das Körperinnere einführt.
Lateinisch cathedra , seinerseits auf dem griechischen Wort kathedra beruhend, bedeutet Stuhl, Sitz, Sessel und im übertragenen Sinn geistliches Lehramt . Auch die Kathedrale – die (ecclesia) cathedralis , also die zum Bischofssitz gehörende Kirche – hat ihren Ursprung in diesem Umfeld. Und wenn etwas ex cathedra , vom (päpstlichen) Stuhl herunter, verkündet wird, so hat es den Anspruch der Unfehlbarkeit und ist über jeden Zweifel erhaben.
Von Unfehlbarkeit kann die arme Kanzlerin zurzeit nur träumen.
Freitag, 28. Mai 2010
Von wegen Palastschinken!
Sitzen Franzosen in einer oberschwäbischen Gaststätte und tun sich an einer Flädlesuppe gütlich, kraftvoll gewürzt und hübsch bestreut mit Schnittlauch. Ihr Urteil: „Délicieux!“, also köstlich. Aber was genau – s’il vous plait – sind Flädle?
Die Erklärung fällt notgedrungen sehr wortreich aus, denn der Fall liegt ja nicht ganz einfach. Flädle sind in Streifen geschnittene Fladen, wie man hierzulande zu Pfannkuchen sagt, die wiederum zu der weitverzweigten Familie der Eierkuchen gehören.
Und wie bereitet man nun diese Flädle zu, wollen die Franzosen wissen? Da helfen einem just Begriffe aus unserem Nachbarland weiter: Die Mischung für den Teig liegt irgendwo in der Mitte zwischen Omelette (viele Eier und kein Mehl) und Crèpes (viel Mehl und wenig Eier). Wobei das allenfalls Annäherungswerte sind, denn die Anzahl der Pfannkuchenrezepte in Deutschland ist in etwa deckungsgleich mit der Anzahl der Hausfrauen. Jede hat da so ihre Eigenheiten.
Und dann haben wir ja noch die vielen wunderbaren Eierkuchenspezialitäten aus dem Ausland, mal salzig, mal süß, mal dick, mal dünn: Blinis aus Russland, Nalesnikis aus Polen, Poffertjes aus Holland, Galettes aus Frankreich, Pannakakkus aus Finnland, Palatschinke aus Österreich…
Palatschinke? Bei diesem Wort für die sehr dünn ausgebackenen, zusammengerollten und meist mit Marmelade gefüllten Pfannkuchen wollen wir doch kurz verweilen. Manche meinen ja, es hieße Palastschinken. Wenn es schon Bauernschinken und Katenschinken gibt, wäre eine noblere Ausgabe immerhin vorstellbar.
Aber mit Schinken hat diese Köstlichkeit aus k. u. k-Zeiten überhaupt nichts zu tun. Entlehnt ist der Ausdruck aus ungarisch palacsinta, das über rumänisch placinta auf lateinisch placenta = der Kuchen zurückgeht (was wir auch aus einem ganz anderen Zusammenhang kennen: Plazenta = der Mutterkuchen). Wahrscheinlich haben einst römische Legionäre diese kulinarische Spezialität in die Weiten Pannoniens mitgebracht.
Das war’s. Die Küche ruft. Heute gibt es Spargel, und dazu sind Kratzete, wie man sowohl in Baden als auch in Schwaben die in der Pfanne zerrupften Fladen nennt, einfach die beste Beilage. Aber Krátzete mit der Betonung auf dem a, bitteschön! Nicht Kratzéte, wie es unbedarfte Zugereiste gerne betonen, analog zur Putzéte!
Apropos Putzete: Vor Jahren stand in dieser Zeitung einmal die Überschrift: "Waldputzete im ganzen Land." Am nächsten Morgen bei der Blattkritik monierte ein Jungredakteur aus nördlicheren Gefilden: "Da hat man das f vergessen!"...
Putznarren sind die Schwaben ja schon. Aber eine Waldputzfete? Das geht dann doch zu weit.
Die Erklärung fällt notgedrungen sehr wortreich aus, denn der Fall liegt ja nicht ganz einfach. Flädle sind in Streifen geschnittene Fladen, wie man hierzulande zu Pfannkuchen sagt, die wiederum zu der weitverzweigten Familie der Eierkuchen gehören.
Und wie bereitet man nun diese Flädle zu, wollen die Franzosen wissen? Da helfen einem just Begriffe aus unserem Nachbarland weiter: Die Mischung für den Teig liegt irgendwo in der Mitte zwischen Omelette (viele Eier und kein Mehl) und Crèpes (viel Mehl und wenig Eier). Wobei das allenfalls Annäherungswerte sind, denn die Anzahl der Pfannkuchenrezepte in Deutschland ist in etwa deckungsgleich mit der Anzahl der Hausfrauen. Jede hat da so ihre Eigenheiten.
Und dann haben wir ja noch die vielen wunderbaren Eierkuchenspezialitäten aus dem Ausland, mal salzig, mal süß, mal dick, mal dünn: Blinis aus Russland, Nalesnikis aus Polen, Poffertjes aus Holland, Galettes aus Frankreich, Pannakakkus aus Finnland, Palatschinke aus Österreich…
Palatschinke? Bei diesem Wort für die sehr dünn ausgebackenen, zusammengerollten und meist mit Marmelade gefüllten Pfannkuchen wollen wir doch kurz verweilen. Manche meinen ja, es hieße Palastschinken. Wenn es schon Bauernschinken und Katenschinken gibt, wäre eine noblere Ausgabe immerhin vorstellbar.
Aber mit Schinken hat diese Köstlichkeit aus k. u. k-Zeiten überhaupt nichts zu tun. Entlehnt ist der Ausdruck aus ungarisch palacsinta, das über rumänisch placinta auf lateinisch placenta = der Kuchen zurückgeht (was wir auch aus einem ganz anderen Zusammenhang kennen: Plazenta = der Mutterkuchen). Wahrscheinlich haben einst römische Legionäre diese kulinarische Spezialität in die Weiten Pannoniens mitgebracht.
Das war’s. Die Küche ruft. Heute gibt es Spargel, und dazu sind Kratzete, wie man sowohl in Baden als auch in Schwaben die in der Pfanne zerrupften Fladen nennt, einfach die beste Beilage. Aber Krátzete mit der Betonung auf dem a, bitteschön! Nicht Kratzéte, wie es unbedarfte Zugereiste gerne betonen, analog zur Putzéte!
Apropos Putzete: Vor Jahren stand in dieser Zeitung einmal die Überschrift: "Waldputzete im ganzen Land." Am nächsten Morgen bei der Blattkritik monierte ein Jungredakteur aus nördlicheren Gefilden: "Da hat man das f vergessen!"...
Putznarren sind die Schwaben ja schon. Aber eine Waldputzfete? Das geht dann doch zu weit.
Freitag, 21. Mai 2010
Von Wales bis Waldsee
"Künstlich auf Welsch und Deutsch", so heißt eine große kulturhistorische Ausstellung, die heute Abend in Augsburg startet, und angespielt wird mit diesem Zitat aus dem 16. Jahrhundert auf den Kunstaustausch zwischen Italien und Deutschland in der frühen Neuzeit.
Welsch heißt hier also nichts anderes als italienisch. Welsch ist jedoch nicht gleich welsch. Die welsche Nuss oder kurz Walnuss kam zwar ebenfalls aus Italien zu uns, aber die welsche Krankheit, wie die Syphilis zur Zeit der Landsknechte genannt wurde, war damals ein Import aus Frankreich.
Spricht man wiederum von Kauderwelsch und meint damit ein unverständliches Gebrabbel, so geht das auf das Rätoromanische in der Gegend rund um Chur (tirolerisch: Kauder) im Kanton Graubünden zurück. Was übrigens unfair ist gegenüber den armen Berglern. Denn ihr Idiom wird halt nur von sehr wenigen gesprochen und verstanden.
Aber Geringschätzigkeit gegenüber anderen Sprachen hatte schon immer Methode. Die slawischen Bezeichnungen für die Deutschen – niemec etc. – bedeuten nichts anderes als die Stummen, will heißen: die eigentlich gar nicht sprechen können. Und schon bei den alten Griechen waren alle, die nicht die Sprache Homers beherrschten, schlichtweg barbaroi, Barbaren, also Stammler.
Zurück zu welsch: Ursprung ist ein altes germanisches Adjektiv, das im mittelhochdeutschen walhisch, später welsch, weiterlebt, im niederländischen waals für wallonisch steckt, aber auch im englischen walisisch sowie in der Bezeichnung Wallach für verschnittenes Pferd. Im Kern geht es um einen Oberbegriff für alles Romanische und im übertragenen Sinn – auch oft genug polemisch missbraucht – für alles Fremde, Nicht-Deutsche. Wahrscheinlich lassen sich alle diese Wörter zurückführen auf den lateinischen Namen des keltischen Stamms der Volcae, der später, als die Römer die Kelten überrannt hatten, auf das Gebiet der neuen Herrscher überging.
Und kamen die Römer bis Bad Waldsee? Bislang fehlt noch jedes Indiz dafür. Die Kelten könnten allerdings dort gewesen sein. Denn laut mittelalterlichen Quellen hieß der Ort einst Walahse. Der Name hat also nichts mit Wald zu tun, sondern mit irgendwelchen Fremden, die sich an jenem See schon breitgemacht hatten, bevor die Germanen anrückten. Und das muss die Bewohner geprägt haben: Fremde sieht man in dem Kurort bis heute gern.
Welsch heißt hier also nichts anderes als italienisch. Welsch ist jedoch nicht gleich welsch. Die welsche Nuss oder kurz Walnuss kam zwar ebenfalls aus Italien zu uns, aber die welsche Krankheit, wie die Syphilis zur Zeit der Landsknechte genannt wurde, war damals ein Import aus Frankreich.
Spricht man wiederum von Kauderwelsch und meint damit ein unverständliches Gebrabbel, so geht das auf das Rätoromanische in der Gegend rund um Chur (tirolerisch: Kauder) im Kanton Graubünden zurück. Was übrigens unfair ist gegenüber den armen Berglern. Denn ihr Idiom wird halt nur von sehr wenigen gesprochen und verstanden.
Aber Geringschätzigkeit gegenüber anderen Sprachen hatte schon immer Methode. Die slawischen Bezeichnungen für die Deutschen – niemec etc. – bedeuten nichts anderes als die Stummen, will heißen: die eigentlich gar nicht sprechen können. Und schon bei den alten Griechen waren alle, die nicht die Sprache Homers beherrschten, schlichtweg barbaroi, Barbaren, also Stammler.
Zurück zu welsch: Ursprung ist ein altes germanisches Adjektiv, das im mittelhochdeutschen walhisch, später welsch, weiterlebt, im niederländischen waals für wallonisch steckt, aber auch im englischen walisisch sowie in der Bezeichnung Wallach für verschnittenes Pferd. Im Kern geht es um einen Oberbegriff für alles Romanische und im übertragenen Sinn – auch oft genug polemisch missbraucht – für alles Fremde, Nicht-Deutsche. Wahrscheinlich lassen sich alle diese Wörter zurückführen auf den lateinischen Namen des keltischen Stamms der Volcae, der später, als die Römer die Kelten überrannt hatten, auf das Gebiet der neuen Herrscher überging.
Und kamen die Römer bis Bad Waldsee? Bislang fehlt noch jedes Indiz dafür. Die Kelten könnten allerdings dort gewesen sein. Denn laut mittelalterlichen Quellen hieß der Ort einst Walahse. Der Name hat also nichts mit Wald zu tun, sondern mit irgendwelchen Fremden, die sich an jenem See schon breitgemacht hatten, bevor die Germanen anrückten. Und das muss die Bewohner geprägt haben: Fremde sieht man in dem Kurort bis heute gern.
Freitag, 14. Mai 2010
Da hilft nur noch beten!
Zurzeit ist Kirchentag in München, und zum zweiten Mal nach Berlin 2003 ist er ökumenisch ausgerichtet, vereint also Christen aus den beiden großen Kirchen und andre religiöse Gruppierungen.
Aber sicher haben Sie auch schon viele Leute getroffen, die vom Ökonomischen Kirchentag reden. Die Begriffe ökumenisch und ökonomisch werden häufiger verwechselt, als man gemeinhin annimmt. Was bei ihrer Ähnlichkeit ja nicht verwundert. Beide stammen schließlich aus der gleichen Wurzel.
Oikos heißt griechisch das Haus. Oikumene ist das Bewohnte, die bewohnte Erde als menschlicher Siedlungsraum, und dieser Begriff wurde schon in der Antike für die Gesamtheit aller Christen des Weltkreises benutzt. Wenn bei Konzilen alle Bischöfe der damaligen katholischen, sprich allumfassenden Kirche versammelt waren, nannte man sie ökumenisch.
Seit dem Anfang des 20. Jahrhunderts wird das Wort Ökumene vor allem für Bewegungen eingesetzt, die auf die verloren gegangene Einheit der Christen ausgerichtet sind. So entstand unter anderem der Ökumenische Rat der Kirchen, in dem die Katholiken auf Grund des Alleinvertretungsanspruchs des Papstes allerdings nicht vertreten sind. Andererseits hat gerade die katholische Seite durch das 2. Vatikanische Konzil vor knapp 50 Jahren eine neue ökumenische Initiative angestoßen.
Dieses griechische Oikos für Haus steckt nun auch in allen Wörtern, die mit Öko- beginnen. Da kann erstens der Lebensraum gemeint sein, wobei sich dann ausgehend vom Wort Ökologie für Wissenschaft von den Wechselbeziehungen zwischen den Lebewesen und ihrer Umwelt in der letzten Zeit eine ganze Reihe von Begriffen gebildet hat: Ökosystem, Ökoaudit, Ökoarchitektur, Ökosponsering, Ökoladen, Ökofreak.
Zweitens kann es abgeleitet vom griechischen Oikonomos (Haushalter, Verwalter) um Haushaltung und Wirtschaft gehen, und hierzu gehören dann die Begriffe Ökonomie (Wirtschaftswissenschaft, früher auch Landwirtschaft), Ökonom (Wirtschaftswissenschaftler, früher auch Landwirt, Bauer) und ökonomisch (das Haushalten betreffend, wirtschaftlich, sparsam).
Eines ist sicher: Auf diesem Münchner Kirchentag wird es um beide Begriffe gehen. Denn angesichts der Krise dürfte ein Gutteil der ökumenischen Debatten ökonomischen Fragen gelten.
Apropos Krise: Auch das ist ein griechisches Wort und bedeutete ursprünglich vor allem den Punkt, an dem sich zum Beispiel bei einer schweren Krankheit etwas zum Guten oder zum Schlechten wendet. Heute wird es allgemein im Sinn von gefährliche Entwicklung benutzt.
Zurzeit kriselt es gewaltig. Aber auf Kirchentagen hat man ja die Losung parat: Da hilft nur noch beten!
Aber sicher haben Sie auch schon viele Leute getroffen, die vom Ökonomischen Kirchentag reden. Die Begriffe ökumenisch und ökonomisch werden häufiger verwechselt, als man gemeinhin annimmt. Was bei ihrer Ähnlichkeit ja nicht verwundert. Beide stammen schließlich aus der gleichen Wurzel.
Oikos heißt griechisch das Haus. Oikumene ist das Bewohnte, die bewohnte Erde als menschlicher Siedlungsraum, und dieser Begriff wurde schon in der Antike für die Gesamtheit aller Christen des Weltkreises benutzt. Wenn bei Konzilen alle Bischöfe der damaligen katholischen, sprich allumfassenden Kirche versammelt waren, nannte man sie ökumenisch.
Seit dem Anfang des 20. Jahrhunderts wird das Wort Ökumene vor allem für Bewegungen eingesetzt, die auf die verloren gegangene Einheit der Christen ausgerichtet sind. So entstand unter anderem der Ökumenische Rat der Kirchen, in dem die Katholiken auf Grund des Alleinvertretungsanspruchs des Papstes allerdings nicht vertreten sind. Andererseits hat gerade die katholische Seite durch das 2. Vatikanische Konzil vor knapp 50 Jahren eine neue ökumenische Initiative angestoßen.
Dieses griechische Oikos für Haus steckt nun auch in allen Wörtern, die mit Öko- beginnen. Da kann erstens der Lebensraum gemeint sein, wobei sich dann ausgehend vom Wort Ökologie für Wissenschaft von den Wechselbeziehungen zwischen den Lebewesen und ihrer Umwelt in der letzten Zeit eine ganze Reihe von Begriffen gebildet hat: Ökosystem, Ökoaudit, Ökoarchitektur, Ökosponsering, Ökoladen, Ökofreak.
Zweitens kann es abgeleitet vom griechischen Oikonomos (Haushalter, Verwalter) um Haushaltung und Wirtschaft gehen, und hierzu gehören dann die Begriffe Ökonomie (Wirtschaftswissenschaft, früher auch Landwirtschaft), Ökonom (Wirtschaftswissenschaftler, früher auch Landwirt, Bauer) und ökonomisch (das Haushalten betreffend, wirtschaftlich, sparsam).
Eines ist sicher: Auf diesem Münchner Kirchentag wird es um beide Begriffe gehen. Denn angesichts der Krise dürfte ein Gutteil der ökumenischen Debatten ökonomischen Fragen gelten.
Apropos Krise: Auch das ist ein griechisches Wort und bedeutete ursprünglich vor allem den Punkt, an dem sich zum Beispiel bei einer schweren Krankheit etwas zum Guten oder zum Schlechten wendet. Heute wird es allgemein im Sinn von gefährliche Entwicklung benutzt.
Zurzeit kriselt es gewaltig. Aber auf Kirchentagen hat man ja die Losung parat: Da hilft nur noch beten!
Freitag, 7. Mai 2010
Vorsicht auf der Griechspur!
Missbrauch allerorten – sogar auf die Sprache färbt er ab. "Alle diese Zölibazis sollte man gnadenlos zur Rechenschaft ziehen", so tönte es dieser Tage aus dem Rundfunk. Nun hat die überwiegende Mehrheit der katholischen Priester diese Häme nicht verdient. Aber das soll hier nicht unser Thema sein.
Interessant ist die Entstehung dieses Wortes Zölibazi. Zusammengesetzt aus Zölibat (Ehelosigkeit) und Bazi (bayerisch-österreichisch: Lausbub, Schlingel, Taugenichts, Gauner, wahrscheinlich eine Kurzform des auch nicht gerade schmeichelhaften Lumpazi, steht es für das Prinzip der gezielten Wortverschmelzung.
Unter dem englischen Fremdwort Blending (Vermischung) kennt es die Sprachwissenschaft, und unsere Umgangssprache, aber auch die Sprache der Medien und der Werbung ist voller Beispiele.
Dabei geht es zum einen um Sprachökonomie, zum anderen um Wortwitz, wobei sich beides oft überlappt. Zieht man die Wörter breakfast (Frühstück) und lunch (Mittagessen) zusammen, so hat man bekanntlich den Brunch, einen flotten, vor allem kurzen Begriff für ein ausgedehntes Frühstück.
Aus Kur und Urlaub wird der Kurlaub,
aus Stagnation und Inflation die Stagflation,
aus Education (Erziehung) und Entertainment (Unterhaltung) das Edutainment (auf Unterhaltung getrimmtes Bildungsfernsehen).
Denglisch (deutsch + englisch) ist ein prägnantes Kürzel für ein Sprachmischmasch,
desgleichen deukisch (deutsch + türkisch).
Bankfurt (Bank + Frankfurt) sowie Mainhattan (Main + Manhattan) kamen einst als amüsante Übernamen für die Finanzmetropole auf.
Und der Teuro (teuer + Euro) war schlichtweg ein Geniestreich, ausgedacht von einem "Focus"-Redakteur.
Werbetexter sind ganz scharf auf solche Wortspiele für ihre Produkte. Auf die Idee, Joghurt und Obst zu Jobst zu verschmelzen, muss man erst einmal kommen.
Auch Cambozola – zusammengezogen aus Cambodunum, dem römischen Namen der Stadt Kempten im Allgäu, sowie Gorgonzola, einem bekannten italienischen Blauschimmelkäse – ist nicht ohne.
Und unter dem Namen Skikes – ein Mix aus skates (Rollschuhe) und bike (Fahrrad) – lässt sich dieses Sportgerät mit den kombinierten Eigenschaften von Inlineskates und Mountainbike in unserer anglo-seligen Zeit sicher nicht schlecht verkaufen.
Der Journalist, der sich den Mentaliban (knallharter Mentaltrainer im Sport) ausdachte, ist sicher heute noch stolz auf diese Neuschöpfung.
Desgleichen der Erfinder von Kahnsinn (Oliver Kahn + Wahnsinn),
von Sparminator (Sparen + Terminator) für den früheren Finanzminister Eichel,
oder von Netikette (Net + Etikette), was für anständige Umgangsformen im Internet steht.
Und solche Neubildungen bieten sich permanent an. Im Augenblick drängt sich eine griffige Überschrift für die Seite 1 der Zeitung auf: "Europa auf der Griechspur". Aber auch hier wäre - wie oben - Häme in Spiel, und die sollten wir Eurozonis uns derzeit alle verkneifen.
Schlag nach bei Matthäus 7,3!
Interessant ist die Entstehung dieses Wortes Zölibazi. Zusammengesetzt aus Zölibat (Ehelosigkeit) und Bazi (bayerisch-österreichisch: Lausbub, Schlingel, Taugenichts, Gauner, wahrscheinlich eine Kurzform des auch nicht gerade schmeichelhaften Lumpazi, steht es für das Prinzip der gezielten Wortverschmelzung.
Unter dem englischen Fremdwort Blending (Vermischung) kennt es die Sprachwissenschaft, und unsere Umgangssprache, aber auch die Sprache der Medien und der Werbung ist voller Beispiele.
Dabei geht es zum einen um Sprachökonomie, zum anderen um Wortwitz, wobei sich beides oft überlappt. Zieht man die Wörter breakfast (Frühstück) und lunch (Mittagessen) zusammen, so hat man bekanntlich den Brunch, einen flotten, vor allem kurzen Begriff für ein ausgedehntes Frühstück.
Aus Kur und Urlaub wird der Kurlaub,
aus Stagnation und Inflation die Stagflation,
aus Education (Erziehung) und Entertainment (Unterhaltung) das Edutainment (auf Unterhaltung getrimmtes Bildungsfernsehen).
Denglisch (deutsch + englisch) ist ein prägnantes Kürzel für ein Sprachmischmasch,
desgleichen deukisch (deutsch + türkisch).
Bankfurt (Bank + Frankfurt) sowie Mainhattan (Main + Manhattan) kamen einst als amüsante Übernamen für die Finanzmetropole auf.
Und der Teuro (teuer + Euro) war schlichtweg ein Geniestreich, ausgedacht von einem "Focus"-Redakteur.
Werbetexter sind ganz scharf auf solche Wortspiele für ihre Produkte. Auf die Idee, Joghurt und Obst zu Jobst zu verschmelzen, muss man erst einmal kommen.
Auch Cambozola – zusammengezogen aus Cambodunum, dem römischen Namen der Stadt Kempten im Allgäu, sowie Gorgonzola, einem bekannten italienischen Blauschimmelkäse – ist nicht ohne.
Und unter dem Namen Skikes – ein Mix aus skates (Rollschuhe) und bike (Fahrrad) – lässt sich dieses Sportgerät mit den kombinierten Eigenschaften von Inlineskates und Mountainbike in unserer anglo-seligen Zeit sicher nicht schlecht verkaufen.
Der Journalist, der sich den Mentaliban (knallharter Mentaltrainer im Sport) ausdachte, ist sicher heute noch stolz auf diese Neuschöpfung.
Desgleichen der Erfinder von Kahnsinn (Oliver Kahn + Wahnsinn),
von Sparminator (Sparen + Terminator) für den früheren Finanzminister Eichel,
oder von Netikette (Net + Etikette), was für anständige Umgangsformen im Internet steht.
Und solche Neubildungen bieten sich permanent an. Im Augenblick drängt sich eine griffige Überschrift für die Seite 1 der Zeitung auf: "Europa auf der Griechspur". Aber auch hier wäre - wie oben - Häme in Spiel, und die sollten wir Eurozonis uns derzeit alle verkneifen.
Schlag nach bei Matthäus 7,3!
Freitag, 30. April 2010
Standart ist kein Standard
"Das ist Standard", so sagt man oft. Leider ist bei uns überhaupt nicht mehr Standard, wie man dieses Wort richtig schreibt. Googeln Sie mal im Internet nach Standart und lassen Sie sich überraschen, wie viele Hunderttausende von Deutschen dies irrtümlicherweise für die korrekte Form halten!
Natürlich ist Standart als zusammengesetztes Hauptwort möglich, also eine Art von Messestand. Aber Standard im Sinn von Maßstab, Norm, Richtschnur, Qualitätsniveau schreibt sich nur mit d.
Nun ist hier der wortgeschichtliche Hintergrund recht interessant. Es gibt im Deutschen ja die Standarte im Sinn von kleine, meist quadratische Fahne, etwa als Hoheitszeichen an einer Staatskarosse. Während wir das Wort Standard im Sinn von Maßstab im 19. Jahrhundert aber aus dem Englischen übernahmen, kam die Standarte aus dem Französischen zu uns. Die Wurzel ist allerdings in beiden Fällen die gleiche: ein altfranzösisches estandart (Fähnlein, Flagge, Sammelplatz der Soldaten) – und das geht wahrscheinlich auf ein altfränkisches standord (Aufstellungsort, Standort) zurück.
Damit aber nicht genug des Vertrackten: Im Englischen steht für beides – den deutschen Standard (Norm) und die deutsche Standarte (Fahne) dasselbe Wort: nämlich standard. Also mit d! Deswegen ist es umso hirnrissiger, wenn – wie oft zu hören – einer im Brustton der Überzeugung behauptet, Standart sei die richtige Schreibung, weil wir das Wort so aus dem Englischen übernommen hätten.
Aber das sind wir ja schon gewohnt. Durch die ungebremste Welle der Anglizismen, schwappen nicht nur englische Wörter zu uns herein, sondern es werden auch immer mehr deutsche Wörter wie englische geschrieben – ob aus Unwissenheit oder aus Imponiergehabe. Schon liest man in der Werbung Schower, weil das so schön wie Shower (Dusche) klingt.
Etwas Ähnliches gab es übrigens auch früher, aber da war es Absicht – und recht witzig obendrein. In den Sechzigern kamen so genannte Linguistische Limericks auf, in denen man deutsche Laute wie ausländische schrieb. Hier ein französisch-englisches Exempel:
Natürlich ist Standart als zusammengesetztes Hauptwort möglich, also eine Art von Messestand. Aber Standard im Sinn von Maßstab, Norm, Richtschnur, Qualitätsniveau schreibt sich nur mit d.
Nun ist hier der wortgeschichtliche Hintergrund recht interessant. Es gibt im Deutschen ja die Standarte im Sinn von kleine, meist quadratische Fahne, etwa als Hoheitszeichen an einer Staatskarosse. Während wir das Wort Standard im Sinn von Maßstab im 19. Jahrhundert aber aus dem Englischen übernahmen, kam die Standarte aus dem Französischen zu uns. Die Wurzel ist allerdings in beiden Fällen die gleiche: ein altfranzösisches estandart (Fähnlein, Flagge, Sammelplatz der Soldaten) – und das geht wahrscheinlich auf ein altfränkisches standord (Aufstellungsort, Standort) zurück.
Damit aber nicht genug des Vertrackten: Im Englischen steht für beides – den deutschen Standard (Norm) und die deutsche Standarte (Fahne) dasselbe Wort: nämlich standard. Also mit d! Deswegen ist es umso hirnrissiger, wenn – wie oft zu hören – einer im Brustton der Überzeugung behauptet, Standart sei die richtige Schreibung, weil wir das Wort so aus dem Englischen übernommen hätten.
Aber das sind wir ja schon gewohnt. Durch die ungebremste Welle der Anglizismen, schwappen nicht nur englische Wörter zu uns herein, sondern es werden auch immer mehr deutsche Wörter wie englische geschrieben – ob aus Unwissenheit oder aus Imponiergehabe. Schon liest man in der Werbung Schower, weil das so schön wie Shower (Dusche) klingt.
Etwas Ähnliches gab es übrigens auch früher, aber da war es Absicht – und recht witzig obendrein. In den Sechzigern kamen so genannte Linguistische Limericks auf, in denen man deutsche Laute wie ausländische schrieb. Hier ein französisch-englisches Exempel:
Ein Cembalo aus Cherbourg
das spielte nur noch in Dourg
Es fuhr nach Southampton,
weil die Mollsaiten klampton
und machte dortselbst eine Kourg.
Freitag, 23. April 2010
Aus Island kommt nicht nur Asche
Wie kann man Eyjafjallajökull aussprechen, ohne dass einem die Zunge entgleist? Ganz Deutschland hat geübt in den letzten Tagen. In der Tat ist dieses isländische Wort nicht gerade leichtgängig. Aber erstens sollten wir Deutsche da vorsichtig sein. Auch wir haben Wortungetüme, die anderen Völkern größte Probleme bereiten. Bei Franzosen etwa könnte die Aussprache von Streichholzschächtelchen eine Halsentzündung auslösen.
Zweitens verbietet sich jedes geringschätzige Lächeln angesichts des ehrwürdigen Alters dieser Sprache. Denn Isländisch, neben Norwegisch, Dänisch und Schwedisch eine Spielart des Nordgermanischen, weist eine Besonderheit auf, die diesen anderen skandinavischen Sprachen, aber auch dem Deutschen abgeht: Es hat sich seit rund 1000 Jahren kaum verändert. Kämen die Wikinger nochma ls aus dem Jenseits der Geschichte und würden an Islands Gestaden landen, so wäre die Kommunikation kein Problem. Und nun stellen Sie sich mal vor, ein Minnesänger träte mit einem mittelhochdeutschen Lied bei DSDS auf. Da bliebe selbst einem Dieter Bohlen die Spucke weg, denn er verstünde allenfalls Bahnhof.
Woher kommt nun dieses Bewahren eines archaischen Sprachzustandes? Zum einen mag es an der Abgeschiedenheit der Insel im Nordmeer liegen. Sprachen verändern sich schneller, wenn sie in Kontakt mit anderen Sprachen treten. Zum anderen aber scheint dieser Traditionalismus vor allem mit dem Einfluss der berühmten Sagas zu tun haben, jenen künstlerisch hochstehenden Erzählungen aus dem frühen Mittelalter, über die sich die Isländer bis heute definieren. Sie wurden wohl immer als derart wichtiges Erbe angesehen, dass sie auch die Sprachkultur bestimmten und jegliche Tendenz zur Veränderung abbremsten.
Dieser Sprachpurismus wirkt übrigens nach bis heute: Als vor einigen Jahren der Siegeszug des Computers begann, wurde sofort nach einem isländischen Wort gesucht. Man einigte sich auf: tölva, zusammengezogen aus tala (Zahl) und völva (Wahrsagerin). Und so heißt er nun.
Noch mal kurz zurück zum Eyjafjallajökull. Dieses Wort für Inselberggletscher wird wohl kaum als Fachausdruck in unsere Sprache aufgenommen werden. Dazu ist es zu speziell. Aber das heißt nicht, dass wir keine Wörter aus dem Isländischen im Deutschen hätten. Besagte Sagas gehören dazu, aber natürlich auch der Geysir, die heiße Quellfontäne, die es vor allem auf Island gibt. Der Tölt ist eine Pferdegangart und der Dorsch ein getrockneter Kabeljau. Oder was wäre die Wagnersche Götterdämmerung ohne Walküren, jene Jungfern, die die Gefallenen vom Schlachtfeld in die Walhall, die Halle der Helden, bringen! Auch der Berserker (eigentlich: Krieger im Bärenfellhemd) und die Flagge (eigentlich: das Flatternde) gehören hierher.
Und bei Steak nehmen wir zwar als selbstverständlich an, dass wir das Wort den US-Cowboys zu verdanken haben. Aber auch das Steak kommt ursprünglich aus dem Isländischen. Die alten Nordgermanen steckten das Fleisch an einen Bratspieß (altisländisch steikja), damit es nicht in die Asche fiel.
Doch das wollen wir jetzt nicht mehr vertiefen. Von Asche haben wir alle die Nase voll.
Zweitens verbietet sich jedes geringschätzige Lächeln angesichts des ehrwürdigen Alters dieser Sprache. Denn Isländisch, neben Norwegisch, Dänisch und Schwedisch eine Spielart des Nordgermanischen, weist eine Besonderheit auf, die diesen anderen skandinavischen Sprachen, aber auch dem Deutschen abgeht: Es hat sich seit rund 1000 Jahren kaum verändert. Kämen die Wikinger nochma ls aus dem Jenseits der Geschichte und würden an Islands Gestaden landen, so wäre die Kommunikation kein Problem. Und nun stellen Sie sich mal vor, ein Minnesänger träte mit einem mittelhochdeutschen Lied bei DSDS auf. Da bliebe selbst einem Dieter Bohlen die Spucke weg, denn er verstünde allenfalls Bahnhof.
Woher kommt nun dieses Bewahren eines archaischen Sprachzustandes? Zum einen mag es an der Abgeschiedenheit der Insel im Nordmeer liegen. Sprachen verändern sich schneller, wenn sie in Kontakt mit anderen Sprachen treten. Zum anderen aber scheint dieser Traditionalismus vor allem mit dem Einfluss der berühmten Sagas zu tun haben, jenen künstlerisch hochstehenden Erzählungen aus dem frühen Mittelalter, über die sich die Isländer bis heute definieren. Sie wurden wohl immer als derart wichtiges Erbe angesehen, dass sie auch die Sprachkultur bestimmten und jegliche Tendenz zur Veränderung abbremsten.
Dieser Sprachpurismus wirkt übrigens nach bis heute: Als vor einigen Jahren der Siegeszug des Computers begann, wurde sofort nach einem isländischen Wort gesucht. Man einigte sich auf: tölva, zusammengezogen aus tala (Zahl) und völva (Wahrsagerin). Und so heißt er nun.
Noch mal kurz zurück zum Eyjafjallajökull. Dieses Wort für Inselberggletscher wird wohl kaum als Fachausdruck in unsere Sprache aufgenommen werden. Dazu ist es zu speziell. Aber das heißt nicht, dass wir keine Wörter aus dem Isländischen im Deutschen hätten. Besagte Sagas gehören dazu, aber natürlich auch der Geysir, die heiße Quellfontäne, die es vor allem auf Island gibt. Der Tölt ist eine Pferdegangart und der Dorsch ein getrockneter Kabeljau. Oder was wäre die Wagnersche Götterdämmerung ohne Walküren, jene Jungfern, die die Gefallenen vom Schlachtfeld in die Walhall, die Halle der Helden, bringen! Auch der Berserker (eigentlich: Krieger im Bärenfellhemd) und die Flagge (eigentlich: das Flatternde) gehören hierher.
Und bei Steak nehmen wir zwar als selbstverständlich an, dass wir das Wort den US-Cowboys zu verdanken haben. Aber auch das Steak kommt ursprünglich aus dem Isländischen. Die alten Nordgermanen steckten das Fleisch an einen Bratspieß (altisländisch steikja), damit es nicht in die Asche fiel.
Doch das wollen wir jetzt nicht mehr vertiefen. Von Asche haben wir alle die Nase voll.
Freitag, 16. April 2010
Wer fiebert schon im Schnee!
Manchmal kann man richtig liegen – und doch ein bisschen daneben. So gibt es Formulierungen, die zwar durch einschlägige Standardwerke abgedeckt sind, aber stilistisch fragwürdig klingen. Zum Beispiel regelrecht. Nehmen wir einen Satz aus der täglichen Berichterstattung über die Unruheherde der Erde: "Bei den Übergriffen des Militärs wurde die Zivilbevölkerung regelrecht abgeschlachtet". Hier will uns jemand die Abscheulichkeit dieses Vorgangs besonders drastisch schildern.
In der Tat steht regelrecht im übertragenen Sinn für Begriffe wie geradezu, buchstäblich, im wahrsten Sinn. In seiner ursprünglichen Bedeutung heißt es jedoch einwandfrei, ordnungsgerecht, vorschriftsmäßig oder regelgemäß. Aber gibt es feste Regeln, nach denen man jemand abschlachtet? Um diese Assoziation zum vermeiden, schreibt man lieber gleich geradezu.
Einen ähnlichen Fall haben wir übrigens bei förmlich. "Durch den Abgang der Mure wurden die Waggons förmlich auseinandergerissen", war dieser Tage nach dem Zugunglück in Südtirol zu hören. Auch hier wird förmlich im Sinn von geradezu, buchstäblich, im wahrsten Sinn gebraucht, das Wort signalisiert aber eigentlich, dass etwas der Form entsprechend oder vorschriftsgemäß passiert. Und haben Sie schon mal eine vorschriftsgemäß abgehende Schlammlawine erlebt?
Apropos Lawine: "Die Rettungsmannschaften suchten in den Schneemassen fieberhaft nach Überlebenden", so ist immer wieder nach Lawinenunglücken zu lesen. Auch dieses fieberhaft wird oft gedankenlos hingeschrieben, wenn ein rasches Vorgehen oder hektische Eile ausgedrückt werden soll. Hier allerdings hinkt das Bild, denn zum Schnee passt das Fieberhafte ja nur bedingt. Oder passt es doch? Auch wir fiebern ja jetzt nach all dem Schnee wärmeren Tagen entgegen, weil wir von dem langen Winter regelrecht die Nase voll haben.
Fazit: Manchmal kann man ein bisschen daneben liegen – und doch richtig.
In der Tat steht regelrecht im übertragenen Sinn für Begriffe wie geradezu, buchstäblich, im wahrsten Sinn. In seiner ursprünglichen Bedeutung heißt es jedoch einwandfrei, ordnungsgerecht, vorschriftsmäßig oder regelgemäß. Aber gibt es feste Regeln, nach denen man jemand abschlachtet? Um diese Assoziation zum vermeiden, schreibt man lieber gleich geradezu.
Einen ähnlichen Fall haben wir übrigens bei förmlich. "Durch den Abgang der Mure wurden die Waggons förmlich auseinandergerissen", war dieser Tage nach dem Zugunglück in Südtirol zu hören. Auch hier wird förmlich im Sinn von geradezu, buchstäblich, im wahrsten Sinn gebraucht, das Wort signalisiert aber eigentlich, dass etwas der Form entsprechend oder vorschriftsgemäß passiert. Und haben Sie schon mal eine vorschriftsgemäß abgehende Schlammlawine erlebt?
Apropos Lawine: "Die Rettungsmannschaften suchten in den Schneemassen fieberhaft nach Überlebenden", so ist immer wieder nach Lawinenunglücken zu lesen. Auch dieses fieberhaft wird oft gedankenlos hingeschrieben, wenn ein rasches Vorgehen oder hektische Eile ausgedrückt werden soll. Hier allerdings hinkt das Bild, denn zum Schnee passt das Fieberhafte ja nur bedingt. Oder passt es doch? Auch wir fiebern ja jetzt nach all dem Schnee wärmeren Tagen entgegen, weil wir von dem langen Winter regelrecht die Nase voll haben.
Fazit: Manchmal kann man ein bisschen daneben liegen – und doch richtig.
Freitag, 9. April 2010
Bei Krieg muss man die Kurve kriegen
Na also. Jetzt ist das ominöse K-Wort doch gefallen. Karl-Theodor zu Guttenberg hat sich endlich durchgerungen, im Zusammenhang mit den Kämpfen in Afghanistan von einem Krieg zu reden – allerdings nicht ohne sofort wieder einen Rückzieher zu machen. Diese Wortwahl sei allenfalls umgangssprachlich zu verstehen, so betonte er.
Damit liegt er jedoch falsch. Zwar ist Krieg in der Tat eine aus juristischer und völkerrechtlicher Sicht umstrittene Bezeichnung für die Vorgänge in Afghanistan, weil hier nicht mindestens zwei Nationen direkt gegeneinander kämpfen. Aber den Begriff Krieg der Umgangssprache zuzurechnen, hieße im Umkehrschluss, ihm seine Zugehörigkeit zur Standardsprache abzusprechen. Und das ist Nonsens.
Bei umgangssprachlich schwingt immer etwas Alltägliches, Familiäres, Kumpelhaftes, Saloppes mit. Krieg ist dagegen unser Standardwort schlechthin für das Gegenteil von Frieden. So bleibt die Erkenntnis: Der Verteidigungsminister hat halt noch einen letzten Dreh versucht, aber die Kurve nicht richtig gekriegt.
Apropos kriegen: Das ist nun wirklich umgangssprachlich. Man sagt es zwar den lieben, langen Tag und meint damit bekommen, erlangen, erringen, erhalten, erleiden etc. Es zu schreiben, gilt aber zu Recht als verpönt.
Was seine Herkunft angeht, so kommt es in der Tat von Krieg. Es lässt sich auf ein mittelhochdeutsches Wort kriec zurückführen, was so viel heißt wie Anstrengung, Streben, Streit, Kampf.
In diesem Zusammenhang noch interessant: Die Niederländer haben mit krijg ein ähnlich gelagertes Wort, und das schwedisch-dänisch-norwegische krig ist aus dem Deutschen entlehnt. Das englische Wort war stammt allerdings aus einer anderen Ecke, wobei es verwandte Wörter im Deutschen gibt: Wehr und wehren, aber auch wirr und Verwirrung.
Und was man nicht auf den ersten Blick sieht: Französisch guerre sowie italienisch-spanisch-portugiesisch guerra gehen auf solche frühen germanischen Wurzeln zurück. Germanenhorden standen nun mal im Ruch, immer wieder in andere Länder einzumarschieren, und brachten dann eben dieses Wort mit.
Wir Deutschen blieben dieser Tradition übrigens treu und haben vor nicht zu langer Zeit dem Rest der Welt als neues Wort den Blitzkrieg geliefert – standardsprachlich, wohlgemerkt.
Damit liegt er jedoch falsch. Zwar ist Krieg in der Tat eine aus juristischer und völkerrechtlicher Sicht umstrittene Bezeichnung für die Vorgänge in Afghanistan, weil hier nicht mindestens zwei Nationen direkt gegeneinander kämpfen. Aber den Begriff Krieg der Umgangssprache zuzurechnen, hieße im Umkehrschluss, ihm seine Zugehörigkeit zur Standardsprache abzusprechen. Und das ist Nonsens.
Bei umgangssprachlich schwingt immer etwas Alltägliches, Familiäres, Kumpelhaftes, Saloppes mit. Krieg ist dagegen unser Standardwort schlechthin für das Gegenteil von Frieden. So bleibt die Erkenntnis: Der Verteidigungsminister hat halt noch einen letzten Dreh versucht, aber die Kurve nicht richtig gekriegt.
Apropos kriegen: Das ist nun wirklich umgangssprachlich. Man sagt es zwar den lieben, langen Tag und meint damit bekommen, erlangen, erringen, erhalten, erleiden etc. Es zu schreiben, gilt aber zu Recht als verpönt.
Was seine Herkunft angeht, so kommt es in der Tat von Krieg. Es lässt sich auf ein mittelhochdeutsches Wort kriec zurückführen, was so viel heißt wie Anstrengung, Streben, Streit, Kampf.
In diesem Zusammenhang noch interessant: Die Niederländer haben mit krijg ein ähnlich gelagertes Wort, und das schwedisch-dänisch-norwegische krig ist aus dem Deutschen entlehnt. Das englische Wort war stammt allerdings aus einer anderen Ecke, wobei es verwandte Wörter im Deutschen gibt: Wehr und wehren, aber auch wirr und Verwirrung.
Und was man nicht auf den ersten Blick sieht: Französisch guerre sowie italienisch-spanisch-portugiesisch guerra gehen auf solche frühen germanischen Wurzeln zurück. Germanenhorden standen nun mal im Ruch, immer wieder in andere Länder einzumarschieren, und brachten dann eben dieses Wort mit.
Wir Deutschen blieben dieser Tradition übrigens treu und haben vor nicht zu langer Zeit dem Rest der Welt als neues Wort den Blitzkrieg geliefert – standardsprachlich, wohlgemerkt.
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